WAZ - Kultur in Bochum - Di.13.März 2012, von Jürgen Böbers-Süßmann
Musikalisch-sinnliche Hommage an einen Ausnahme-Jazzer
Lupenreiner Jazz stand am Sonntagabend in der Christuskirche am Rathaus auf dem Spielplan. Gäste des Konzerts unterm Kirchenkreuz waren Les Monkophoniques mit „Milli sings Monk“ – geboten wurde ein multimediales Programm um den legendären Pianisten Thelonious Monk (1917-1982).
Er gilt mit seinem eigenwilligen Klavierstil und seinen unverwechselbaren, abstrakten Kompositionen als einer der wichtigsten Innovatoren des Modern Jazz.
Die Monkophoniques um die Sängerin Milli Häuser – in Bochum durch ihre Tatort Jazz-Reihe bestens eingeführt – spielte ausgewählte Monk-Stücke chronologisch zu seinem Lebenslauf, in der mit Geschichten und Filmschnipseln passend dazu erzählt wird. Neben seinen musikalischen Ausdrucksformen erschien immer wieder auch der Mensch Thelonious Monk, ein schräger Vogel, könnte man wohl sagen, nie so recht gelandet im Alltäglichen – aber eben dies war die Voraussetzung, die der Künstler für seine Genie-Attacken brauchte.
Monks sperrige Stücke eingängig zu gestalten, ist ein Anliegen der Monkophoniques. Zu den Original-Instrumentals schrieb Milli Häuser Texte, arrangierte die Monk’sche Musik liebevoll um, wobei sie z.B. detailgetreu Klavierimprovisationen des Meisters singt bzw. scattet.
Tatsächlich waren es bei aller spielfreudigen Virtuosität von Uwe Kellerhoff (Schlagzeug), Nils Imhorst (Bass) und Joachim Raffel (Klavier) gerade Millis Stimm-Einlagen, die diesen ungewöhnlichen „Urban Urtyp“ - Abend leichtfüßig und virtuos erscheinen ließen – und ziemlich sinnlich dazu.JBS
RUHRNACHRICHTEN, aus 2011, von Simone Danisch
Premiere Bochum - prinz regent theater
Ein Abend nur für Monk
"Les Monkophoniques" begeistern mit Homage an Jazz Pianisten
Einen ganzen Abend Thelonious Monk zu widmen, dass war Milli Häusers großer Wunsch. Und den erfüllte sie sich am vergangenen Freitagabend bei vollem Haus im prinz regent theater. Ein ganzer Abend nur für den Mann, der durch seinen Ziegenbart, seine ausgefallenen Hüte und - natürlich - durch seine unverwechselbare Musik den Jazz der 50er Jahre prägte. Zusammen mit dem Pianisten Joachim Raffel, dem Bochumer Schlagzeuger Uwe Kellerhoff und dem Kontrabassisten Nils Imhorst gründete Multitalent Milli die "Les Monkophoniques".
Starke Verbindung
Als sie zu Beginn des zweistündigen Konzerts die Bühne betritt und anfängt zu tanzen, genauso wie es Monk hinter ihr auf der Videoprojektion tut, wird direkt klar, dass Milli Häuser eine starke Verbindung zu dem afroamerikanischen Pianisten hat.
Die "Monkophonie" ergriff sie eines Tages in Frakreich, als sie im Radio eine Sendung über ihn hörte. Seitdem setzt sich Milli Häuser intensiv mit dem doh so zurückgezogenen Exzentriker auseinander, der als Mitbegründer des Bobop gilt.
Zwischen den Liedern erzählte Milli Häuser Geschichten aus dem Leben des Meisters. Zum Beispiel von seiner Lieblingslaterne, der er regelmäßig einen Klaps gab, wie einer Freindin. Von seiner Art zu tanzen, bei der sein Publikum immer dachte, er würde gleich umkippen. Oder dem abend, an dem er in einem Hotel nach zwei Liedern die Bühne verließ, die Band eine Stunde weiterspielen ließ, nur, um nocheinmal die Bühne zu betreten und die gleichen zwei Lieder zu spielen - beschwert hat sich keiner.
Freude an den Stücken
Einige von Monks Liedern hat Milli Häuser sogar ins Deutsche überführt, wenn sie singt und tanzt, sieht man ihr die freude an den Stücken an, die mal bekannter, mal unbekannter sind. ...
Das Publikum war begeisert: mit lauten Zugabe-Rufen gab es dann noch drei weitere Lieder und im Anschluss eine Runde Sekt und Leckerchen für alle - in alter Milli Häuser Manier.
Weitere Presseausschnitte:
"...Nach diesem mitreißenden Phänomen Milli Häuser schien der Herbst weniger grau..." "... Eine schöne, ausdrucksstarke Stimme erklang, jeder Ton saß, mitreißende Tempoverschleppungen im Belcanto ließen die Zuhörer fast hörbar die Luft anhalten... . “ "..Häuser improvisiert bravourös mit übermütigem und kratzbürstigem Scat Gesang..." "... Die gebürtige Essenerin mit ihrer kraftvollen, fast tiefen Stimme zog die Zuhörer in ihren Bann..." Was Milli Häuser und Band auf die Bühne brachte war irritierend gut... Stimme, Ausstrahlung und ihr tänzerisches Können schlugen das Publikum in Bann... “